Fifa

Tor für Tor ein karitativer Treffer

Von Michael Horeni, Berlin

Blatters Fifa will in Afrika helfen

Blatters Fifa will in Afrika helfen

19. November 2008 Der von Joseph Blatter geführte Internationale Fußball-Verband (Fifa) steht nicht gerade im Ruf, eine karitative Organisation zu sein. Mit den weltweiten 388 Goal-Projekten, mit denen die Fifa beispielsweise die Entwicklung des Fußballs fördert, sind immer wieder auch verbandspolitische Gegengeschäfte in Verbindung gebracht worden.

Bei der Weltmeisterschaft 2006 versuchte die Fifa ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden, indem sie sechs SOS-Kinderdörfer schuf und ihre Existenz zehn Jahre garantierte. Aber das war ein Projekt, das die Fifa nicht selbst ins Leben rief, sondern sich aneignete und das daher auch wie ein karitatives Feigenblatt angesichts der Milliardenumsätze wirkte.

2010 geht die Fifa neue Wege

Bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wird der Internationale Fußball-Verband jedoch neue Wege gehen, und es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, dass dem mächtigsten Sportverband der Welt dabei selbst ein Entwicklungsschritt gelungen ist.

„Football for Hope“ heißt das neue Projekt, das in diesen Tagen in Berlin vorgestellt wurde. Es sieht vor, „20 Zentren für 2010“ entstehen zu lassen, um Entwicklung durch Fußball auch in zahlreichen anderen Bereichen der Gesellschaft zu fördern: Gesundheit, Anti-Diskriminierung, Integration, Kinderrechte, Bildung und Friedensarbeit. „Es ist eines der Projekte, die aus der WM in Südafrika eine WM für ganz Afrika machen“, sagte der südafrikanische Botschafter Sunwabo Funde bei der Vorstellung. Fünf der Zentren werden in Südafrika entstehen, die anderen 15 im Rest des Kontinents; in Kenia, Ghana, Mali, Namibia und Ruanda. Bis 2010 sollen zehn Zentren geschaffen sein, bis 2012 die zweite Hälfte.

500 Doller pro Tor in der WM-Qualifikation

Die finanzielle Dimension des Projekts ist überschaubar, sein Ansatz unterscheidet sich jedoch von allen früheren Aktivitäten. Ziel der Kampagne ist es, zehn Millionen Dollar Spendengelder zu sammeln, um den Bau der 20 Zentren in Afrika zu finanzieren. Die Fifa hat zugesagt, für jedes Tor während der WM-Qualifikation 500 Dollar zu spenden – womit bisher über eine Million Dollar gesichert ist. Aber insgesamt hat die Fifa seit 2005 ihr Budget für soziale Zwecke stark erhöht. Sie zweigt jährlich 0,7 Prozent ihrer Gesamteinnahmen ab, was exakt der Quote entspricht, die sich die Vereinten Nationen von den Industrieländern zur Unterstützung der Entwicklungsländer wünschen.

Das macht bei der Fifa ein Budget von rund 20 Millionen Dollar für die 2005 gegründete Abteilung „Soziale Verantwortung“, die von Federico Addiechi geführt wird. „Wir wissen, dass wir alleine die Welt nicht verändern können“, sagt Addiecchi, und deshalb baue man auf Allianzen und Partnerschaften, um die Wirkung und die finanziellen Möglichkeiten „zu multiplizieren“.

„20 Zentren für 2010“

Die Fifa hat sich diesmal mit der Social-Profit-Organisation „streetfootballworld“ zusammengetan, die weltweit mehr als 70 verschiedene Organisationen miteinander vernetzt. Es handelt sich dabei nur um Vereinigungen, die für ihre Arbeit von sich aus den Fußball als Motor für gesellschaftliche Veränderungen gesucht hatten – und nicht einfach auf ein neues Projekt und die entsprechenden Mittel aufgesprungen sind, wie Geschäftsführer Jürgen Griesbeck versichert.

Geeignete Standorte zu finden, die ein erfolgreiches Projekt bei den „20 Zentren für 2010“ versprechen, ist mühsam. Die gesamten Gemeinden werden bei den Planungen in das Projekt mit einbezogen, Kinder und Jugendliche nach ihren Wünschen befragt. Jedes der zwanzig Zentren wird über einen Kleinfeldplatz aus Kunstrasen sowie Klassenräume und Einrichtungen für Programme zur Gesundheitsvorsorge verfügen. So soll für die Jugendlichen daraus ein Ort werden, an dem sie nicht nur Fußball spielen können, sondern auch direkt Zugang zu Beratungs-, Gesundheits- und Bildungsangeboten finden. Das erste dieser Zentren wird in Khayelithsha in der Nähe Kapstadts im kommenden Jahr entstehen.

Die Ergebnisse sollen messbar sein

Seit 2005 besteht nun diese strategische Allianz zwischen der Fifa und „streetfootballworld“, und sie hat sich vorgenommen, einen spür- und messbaren Beitrag zu leisten, um die Millenniumsziele der Vereinten Nationen zu erreichen und Jugendliche nachhaltig zu fördern. „Wir wollen 2015 feststellen, was der Beitrag des Fußballs zu den Millenniumszielen der UN ist“, sagt Addiechi.

Die Ergebnisse sollen messbar sein, die Projekte würden allesamt evaluiert, kündigte Griesbeck an. Denn die Ziele sind ehrgeizig: „Wir wollen am Ende sagen können, wie viele Kinder mehr in die Schule gehen, einen Beruf ausüben und einen Platz in der Gesellschaft gefunden haben.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

 

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