19. November 2008 Kein Grund zur Sorge: Von der deutschen Toilette geht keine Gefahr aus. Die Schüssel mit antibakteriellen Reinigern zu schrubben, sei schon fast pervers, behauptet Franz Daschner. Im F.A.Z.-Gespräch erklärt der Medizin-Professor, worauf es im stillen Örtchen ankommt.
Herr Daschner, Sie haben viele Jahre als Medizin-Professor die zentrale Abteilung für Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum in Freiburg geleitet, wie ist es um die deutsche Toilette bestellt?
Von der deutschen Toilette geht keine Gefahr aus. Alle, die behaupten, man müsse die Toiletten in Deutschland besonders behandeln – zum Beispiel mit antibakteriellen Toilettenreinigern –, betreiben eine gezielte Volksverdummung. Es gibt nicht eine einzige wissenschaftliche Untersuchung, die die Notwendigkeit solcher Reinigungsmittel belegt. Und überhaupt: Wenn Bakterien irgendwohin gehören, dann doch wohl in die Toilettenschüssel. Das ist ja schon fast pervers, sie dort mit antibakteriellen Reinigern zu verfolgen. Niemand in Deutschland muss Angst vor der Toilette haben.
Und wie soll das stille Örtchen denn dann geschrubbt werden?
Die Toilette muss natürlich sauber gehalten werden, das hat aber weniger mit Hygiene und viel mehr mit Ästhetik und Geruch zu tun. Dafür braucht es dann auch nicht viel: eine anständige Bürste und gegebenenfalls ein bisschen Scheuermittel – aber eben ohne antibakterielle Zusätze.
Wo bestehen Infektionsgefahren auf dem Klo?
Wenn überhaupt, dann besteht eine Infektionsgefahr auf dem Klo dann, wenn sich die Menschen nach dem Toilettengang nicht anständig die Hände waschen. So können Keime aus dem Stuhl auch ins Essen oder in das Trinkwasser gelangen und Krankheiten auslösen. Aus der Kloschüssel hopsen die Bakterien auf jeden Fall nicht.
Das Jahr 2008 haben die UN zum Internationalen Jahr der sanitären Grundversorgung“ ausgerufen. Mehr als 2,5 Milliarden Menschen lebten ohne Toiletten, hat die WTO, die Welt-Toiletten-Organisation, am Welt-Toiletten-Tag“ am Mittwoch beklagt. Haben wir eine globale Toilettenkrise?
Gefahren gehen ja immer dann von Toiletten aus, wenn der Stuhl in die Umgebung gestreut wird und die Toilette nicht direkt an die Kanalisation und die Abwasserkläranlage angebunden ist. In vielen Entwicklungsländern verrichten die Bewohner ihre Notdurft nur auf der Wiese oder in ein tiefes Loch hinein. Es gibt keinen Anschluss an die Kanalisation, und die Krankheitserreger gelangen problemlos wieder in den Wasser- oder Nahrungskreislauf. So entstehen zum Beispiel Cholera-Epidemien. Das ist natürlich ein großes Problem.
Und die Lösung?
In den Entwicklungsländern müssen zentrale Toiletteneinrichtungen gebaut und an die Kanalisation angeschlossen werden. Und es muss den Menschen möglich sein, sich die Hände zu waschen, das ist das Wichtigste.
Die Fragen stellte Matthias Wyssuwa.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa