17. November 2008 Der Feuerwehr in Kalifornien wird es bestenfalls zur Mitte der Woche gelingen, die katastrophalen Buschbrände unter Kontrolle zu bringen, die bislang mehr als 700 Häuser zerstört, Zehntausende Bewohner zur Flucht gezwungen und mehr als 14.000 Hektar Land erfasst haben. Wenn wir optimistisch sind, dann hoffen wir auf Mitte dieser Woche, sagte Dennis Cross, der Sprecher der Feuerwehr in Los Angeles. Dafür müsse allerdings das Wetter mitspielen.
Der nationale Wetterdienst hatte ein Abflauen der gefährlichen Winde vorausgesagt, örtlich könne es jedoch noch zu starken Böen kommen. Seit Donnerstag hatten Winde, die zum Teil Hurrikanstärke erreichten, die Flammen an mehreren Brandherden von Santa Barbara etwa 150 Kilometer nördlich von Los Angeles bis nach Anaheim im Süden der Metropole vorangetrieben.
Zunächst keine Toten gefunden
Die schlimmsten Zerstörungen wurden im Oakridge Mobile Home Park im Bezirk Sylmar angerichtet. Dort hatten Winde mit einer Geschwindigkeit von mehr als 110 Kilometern in der Stunde eine Feuersbrunst entfacht, die 500 sogenannte Mobile Homes, in denen vor allem ältere Menschen lebten, in Asche verwandelte. Zunächst wusste man nur von 134 Bewohnern, dass es ihnen gelungen war, sich in Sicherheit zu bringen.
Auf der Suche nach möglichen Opfern der Brandkatastrophe durchkämmten am Sonntag (Ortszeit) Suchmannschaften das zerstörte Gelände. Zunächst wurden keine Toten gefunden. Der stellvertretende Polizeichef Michael Moore appellierte an die Bewohner, sich bei den Behörden zu melden, damit man wisse, dass sie sich hätten retten können.
Mehr als 630.000 Hektar Land verbrannt
In Kalifornien haben Buschfeuer in diesem Jahr besonders schlimm gewütet. Die jüngsten Brände nicht mitgerechnet, sind mehr als 630.000 Hektar Land verbrannt. Allein dem Bundesstaat Kalifornien sind dadurch Kosten in Höhe von 500 Millionen Dollar entstanden. Hinzu kommen die Ausgaben der örtlichen Behörden und der Regierung in Washington für die Brandbekämpfung. Während sich die Buschbrände früher auf den Spätherbst beschränkten, musste die Feuerwehr schon im Spätwinter, im Frühjahr und Sommer ausrücken, um Buschbrände zu bekämpfen.
Wir sind nun das ganze Jahr über mit Feuern konfrontiert, sagte der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Er machte dafür auch den Klimawandel verantwortlich. In einigen Regionen im Gebiet um Los Angeles wurden am Wochenende Rekordtemperaturen für die Jahreszeit gemessen.
Teufelswinde
Die Santa-Ana-Winde, auch Teufelswinde, Teufelshauch oder roter Wind genannt, sind heiße und trockene, föhnartige Winde, die speziell im Süden Kaliforniens auftreten. Sie sind nach dem gleichnamigen Santa-Ana-Canyon vor Los Angeles benannt, durch den sie mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Küste wehen. Die Winde trocknen die Vegetation aus und erhöhen so die Gefahr von Wald- und Buschbränden. Durch ihre Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometern fachen sie bestehende Feuer zusätzlich an. Ähnlich wie Föhn in den Alpen sind die Santa-Ana-Winde sehr böig und daher extrem tückisch.
Die Teufelswinde entstehen vorwiegend im Herbst und frühen Winter, wenn sich ein starkes Hochdruckgebiet über dem Hochplateau von Nevada und Utah zwischen der Sierra Nevada und den Rocky Mountains bildet. Die normalerweise kalte und ohnehin trockene Luft der Wüste drängt dann in südwestlicher Richtung abwärts in die engen Schluchten und Pässe vor der kalifornischen Küste. Dort erwärmt sie sich durch Kompression und Reibung und gewinnt massiv an Geschwindigkeit. Die relative Luftfeuchtigkeit kann auf weniger als 10 Prozent sinken.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS