Von Michael Roth und Michael Psotta
19. November 2008 Beim weltgrößten Chemiekonzern BASF ist die Nachfrage massiv eingebrochen. Als Folge werden bis Januar nächsten Jahres bis zu einem Viertel aller Produktionskapazitäten stillgelegt oder gedrosselt. So sollen Überkapazitäten vermieden werden. Die BASF richtet sich auf harte Zeiten ein, sagte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht. Weltweit seien 20.000 der insgesamt 95.000 Mitarbeiter von den Produktionsanpassungen betroffen, davon etwa 5000 am größten Standort, dem Stammwerk in Ludwigshafen mit rund 32.000 Beschäftigten. Wenn möglich werden flexible Arbeitszeitinstrumente wie Arbeitszeitkonten und Überstundenabbau eingesetzt. Sind diese Maßnahmen ausgeschöpft, könne das Unternehmen an einzelnen Standorten Kurzarbeit jedenfalls nicht ausschließen, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.
Im Konzern werden 80 Anlagen stillgelegt. In weiteren 40 Werken wird die Produktion gedrosselt. BASF produziert an rund 400 Standorten, die Zahl der einzelnen Anlagen ist nicht bekannt. Für Ludwigshafen gibt es eine neue Betriebsvereinbarung, der zufolge Produktionsanpassungen über Zeitguthaben und Urlaub aufgefangen werden sollen. Hier werden von rund 200 Anlagen 40 stillgelegt und 25 weitere gedrosselt. In der bisher letzten Krise, im Winter 2001/2002, legte die BASF in Ludwigshafen von 250 Anlagen 56 für rund drei Wochen still, 25 weitere wurden gedrosselt. Betriebsbedingte Kündigungen sind am Standort gemäß einer älteren Betriebsvereinbarung bis 2010 ausgeschlossen. Diese Vereinbarung wird derzeit neu verhandelt.
Ergebnis des Vorjahrs kann nicht erreicht werden
Schon Ende Oktober haben wir auf das schwierigere wirtschaftliche Umfeld hingewiesen, seitdem hat sich die Nachfrage nochmals deutlich verschlechtert, sagte Hambrecht. Besonders Kunden aus der Automobilindustrie, an die die BASF unter anderem Kunststoffe, Katalysatoren und Lacke liefert, haben bereits erteilte Aufträge kurzfristig storniert. Betroffen ist auch die Kundschaft aus der Baubranche. An diese liefert die BASF unter anderem Betonzusätze und Dämmstoffe wie Styropor. Textilhersteller ordern weniger Fasern und Farben. Wie es von der BASF weiter heißt, wird der Absatz zusätzlich belastet, weil die Kundschaft Vorräte abbaut und den Abnehmerindustrien nicht mehr ausreichend Kredite zur Verfügung stehen.
Als wirtschaftliche Folge des Absatzeinbruchs wird die BASF im laufenden Geschäftsjahr das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen des Vorjahres nicht erreichen. Nach einem Gewinnrückgang im dritten Quartal hatte der Konzern seine Ergebnisprognose für das gesamte Geschäftsjahr schon einmal zurückgenommen. An der Börse brach der Aktienkurs vorübergehend um fast 20 Prozent ein, konnte sich im weiteren Handelsverlauf aber wieder etwas erholen.
Deutliches Zeichen für die Lage der Chemiebranche
Hambrecht sagte, dass die BASF in den vergangenen Jahren krisenfester gemacht worden sei. Er steht seit 2003 an der Unternehmensspitze. In der jetzigen schwierigen Situation zeigt sich nach Hambrechts Ansicht die Stärke der soliden Finanzierung und des besser balancierten Portfolios. In der Vergangenheit konnte die BASF Einbußen im Chemiegeschäft oft mit Gewinnen in der Sparte Öl und Gas ausgleichen. Dieses Mal kommen allerdings Absatzschwächen in der Chemie und ein niedriger Ölpreis zusammen.
Die Maßnahmen der BASF sind ein weiteres, allerdings besonders deutliches Zeichen dafür, dass die Chemiebranche auf der ganzen Welt in Bedrängnis geraten ist. Auch die amerikanischen Konkurrenten Dupont und Celanese haben ihre Erwartungen für 2008 jüngst gekürzt, und der amerikanische Branchenzweite Dow Chemical äußerte düstere Prognosen für 2009. Zuerst spürte die Chemieindustrie den Nachfragerückgang aus der amerikanischen Bauindustrie, dann aus der Autoindustrie. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass zahlreiche weitere Branchen in allen Regionen der Welt immer zurückhaltender werden. Zudem verringern Abnehmer etwa in Asien ihre Vorratslager für Chemieprodukte, da sie mit sinkenden Preisen rechnen. Eines der wenigen aktuellen Hoffnungszeichen für die Chemieindustrie sind die geringeren Energiekosten, die die negativen Folgen des Konjunktureinbruchs abschwächen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
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| Nasdaq | 1.628,03 | -0,26 |
| STOXX 50 | 2.553,41 | +0,67 |
| Nikkei 225 | 9.080,84 | +0,42 |
| S&P 500 Zert. | 9,25 | +2,66 |
| Euro/Dollar | 1,35 | -1,15 |
| Bund Future | 124,50 | -0,14 |
| Gold | 848,87 | -0,88 |
| Öl | 47,74 | +5,25 |