Angst vor Hackern

Obama soll sein Blackberry abstellen

Von Matthias Rüb, Washington

Barack Obama: On air everywhere

Barack Obama: On air everywhere

19. November 2008 Die Kontraste zwischen Barack Obama und John McCain waren mannigfach: vom Altersunterschied über die politischen Meinungsverschiedenheiten bis zur elektronischen Versiertheit. Barack Obamas Wahlkampagne wird als jene in die Geschichte eingehen, die das Internet zum ersten Mal in seiner ganzen Bandbreite genutzt hat: zum Spendensammeln, als Organisationsportal für Millionen freiwilliger Wahlkampfhelfer, als Debattenforum und Blogosphäre, für Videoclips und Wahlkampfwerbung.

Und Handys gibt es ja auch noch: Die Nachricht, dass Joseph Biden zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten auserwählt wurde, wurde dem „Team Obama“ per SMS mitgeteilt - nachts um drei.

Mails bis tief in die Nacht

Und während John McCain freimütig bekannte, er komme mit dem Empfangen und Senden von E-Mails nicht so gut zurecht, weiß man von Obama, dass er bekennend blackberrysüchtig ist. Fast immer trug er das bei Geschäftsleuten und „Professionals“ populäre Gerät, das als effizienter gilt als das schickere „iPhone“ von Apple, in einem Holster am Hosenbund.

Obama nutzte sein Blackberry im Wahlkampf für E-Mails und SMS mit Beratern, Mitarbeitern, Freunden, Bekannten. Weil man immer und überall E-Mails empfangen, im Netz surfen, SMS senden und telefonieren kann, führt es rasch zu Suchterscheinungen - weshalb sich das Gerät den Beinamen „Crackberry“ redlich verdient hat.

Auch Obama scheint der Sucht anheimgefallen zu sein. An einem freien Wochenende wurde er dabei ertappt, wie er als Zuschauer bei einem Fußballspiel der Tochter auf dem Blackberry herumtippte, was ihm einen Klaps der verärgerten Ehefrau eintrug. Oft sendete Obama auf dem „Kampagnenpfad“ durchs ganze Land bis tief in die Nacht hinein und vom frühesten Morgen an seine Mails und SMS-Botschaften.

Von elektronischer Kommunikation aus Sicherheitsgründen abgeraten

Damit könnte es in gut zwei Monaten vorbei sein. Vieles spricht dafür, dass Obama nach seinem Amtsantritt am 20. Januar auf seinen „Crackberry“ wird verzichten müssen. Prinzipiell wird jede dienstliche Kommunikation des Mannes im Weißen Haus - schriftlich, mündlich, fernmündlich und elektronisch - dokumentiert und für die Geschichtsforschung aufbewahrt.

Von privater elektronischer Kommunikation aber wird dem Präsidenten aus Sicherheitsgründen abgeraten, weil sie gegen Zugriffe von Hackern kaum zu schützen ist. Präsident George W. Bush beendete drei Tage vor seinem Amtsantritt Anfang 2001 über seine alte E-Mail-Adresse „G94B@aol.com“ die elektronische Kommunikation mit Freunden und Bekannten, „weil ich nicht möchte, dass jene in meiner privaten Korrespondenz herumschnüffeln, die mich in Verlegenheit bringen wollen“.

Bush kann am 21. Januar nach acht Jahren Abstinenz wieder mailen. Auch Bill Clinton hatte sich aus Sicherheitsgründen schon den Verzicht auf E-Mails auferlegt. Computerfachleute und Präsidentenhistoriker geben dem Kandidaten des Wandels den Rat, an dieser Tradition festzuhalten: nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern weil man zu nichts anderem und schon gar nicht zum Regieren komme, wenn man den ganzen Tag und die halbe Nacht hindurch immerzu Mails lese - und womöglich auch noch beantworte.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Reuters

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