18. November 2008 Beim Empfang der Kanzlerin fehlte Torsten Frings noch, der Bremer Fußballprofi stand im Stau, aber beim anschließenden deutlich wichtigeren Termin, den Prämienverhandlungen für die WM-Qualifikation, war Frings dabei, und das ist die Hauptsache. Leider sind solche Verhandlungen ja nicht nur hochinteressant, sondern auch streng geheim.
Doch das ist nicht weiter schlimm, denn der Ablauf ist klar – man muss sich ihn unter Einbeziehung liebgewonnener Vorurteile einfach vorstellen wie den Weltfinanzgipfel, nur dass hier nicht Vertreter der führenden Industrie- und Schwellenländer zusammenkommen, sondern Abgeordnete der führenden deutschen Fußballvereine und -verbände, und dass nicht gepanzerte Stretchlimousinen vorfahren und schwarze Staatskarossen, sondern Hummer-Geländewagen und bonbonrote Sportrenner.
Danke, ihr seid die geilsten Fans für 10.000 Euro
Es geht auch nicht um den Umbau des Weltfinanzsystems, aber doch um einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der Rezession, nämlich um ein Konjunkturprogramm zur Ankurbelung der Investitionen zum Beispiel in Hummer-Geländewagen und bonbonrote Sportrenner. Die Vorurteile mal beiseitegelegt, kann man sagen, dass die Ergebnisse der nächtlichen Fußballprämien-Verhandlungen vorbildlich sind. Die Boni sollen nämlich nach Leistung gezahlt werden, woran auch schärfste Kritiker der kickenden Großverdiener nicht herummäkeln können.
Die gewohnte Höchstleistung vorausgesetzt, kann jeder Nationalspieler in der WM-Qualifikation 200.000 Euro verdienen. Wie der Prämienkatalog ganz genau ausschaut, weiß keiner, aber durchgesickert ist, dass beispielsweise das Hochhalten von Danke, ihr seid die geilsten Fans-Transparenten nach Heimspielen mit 10.000 Euro dotiert ist, so dass auch Mannschaftsführer Michael Ballack dieser lästigen Pflicht künftig mit etwas mehr Enthusiasmus nachkommen kann.
Spontanes Update auf Theo Zwanzigtausender
Der Empfang bei der Bundeskanzlerin und die sich daran anschließende Prämienverhandlung, da verraten wir kein Geheimnis, sind zwei Halbzeiten eines einzigen Spiels, wie sich halbwegs kombinationssichere Beobachter sofort gedacht haben. Die Kanzlerin spannte nämlich vorab einen weiteren Finanz-Rettungsschirm auf und übernahm eine öffentliche Bürgschaft für eventuelle Prämienausfälle durch strauchelnde Sponsoren oder angeschlagene Fernsehsender, eine Hilfe, die der DFB aber nicht in Anspruch nehmen will.
Fußballer spielten auch im Regen, sagte Präsident Zwanziger, dem die Kanzlerin angesichts seines Namens in diesen finanziell schweren Zeiten spontan ein Update auf Theo Zwanzigtausender vorschlug sowie eine staatliche Bürgschaft über diese Summe, aber auch dieses Angebot lehnte der DFB-Chef mit Hinweis auf sein allzeit bodenständiges Wirtschaften dankend ab.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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