Kleine Fische, Teil 21

Schon wieder

18. November 2008 Pia, Denny, Sara und Nick sind die vier Helden des Romans „Kleine Fische“, der die Abenteuer der Jugendlichen im Großstadtsommer schildert. Mit vier unterschiedlichen Stimmen erzählt Autorin Martina Wildner die Geschichte der jungen Leute, deren Wege sich auf seltsame Weise kreuzen.

Nick lehnte am Laternenpfahl. Er hatte Pia noch bis zu ihrem Haus gebracht, aber geküsst hatten sie sich nicht. Überhaupt war diese Pia schwer einzuschätzen. Dieses irre Kleid, aber dazu die billigen Badelatschen. Und dass sie sich partout nicht zu einem Eis einladen lassen wollte und angeblich kein Handy hatte. Jeder hatte doch ein Handy. Trotzdem war sie süß.

Beinahe wäre das Treffen mit Pia jedoch noch den Bach runter gegangen. Wegen dieser Tussi, die ihn so unglaublich angemacht hatte! Nur um dann festzustellen, dass sie ihn verwechselt hatte. Unglaublich! Dabei hatte sie wirklich gut ausgesehen, ja, genaugenommen sogar besser als Pia, aber eine Tussi war sie trotzdem.

Und überhaupt: Wieso wurde er ständig verwechselt? Erst der Kerl, der ihm den Helm weggekickt hatte. Der hatte doch gesagt: Kennen wir uns? Dann die Polizei, die ihn für einen Dealer gehalten hatte, und jetzt dieses Mädchen. Nick konnte sich die Sache nicht anders erklären: Er musste einen Doppelgänger haben. Oder mehrere.

Nick sah die Hauswand hoch. Die Fenster im vierten Stock blieben dunkel. Pia hatte gesagt, sie wohne in einer Maisonettewohnung mit Dachterrasse. Außerdem hatte sie erzählt, ihre Perserkatze, ein Kater mit Namen Schimon, sei verschwunden. Die Suchzettel, die überall hingen, seien von ihr. Irgendwas an diesen ganzen Geschichten störte Nick. Er konnte aber nicht sagen, was. Pias Eltern schienen jedenfalls Geld zu haben. Warum Pia dann aber schlechtbezahlte Ferienarbeit nötig hatte?

Nick ließ den Blick noch weiter nach oben gleiten. Der Himmel war von einem grünlichen Blau: ganz dunkel war es noch nicht. Wirklich schade, dass sie sich nicht geküsst hatten.

Als er jetzt wieder die Straße entlang blickte, blieb Nick kaum noch Zeit, seine Spucke herunterzuschlucken, dann stand er schon vor ihm. Der Proll von neulich. „Scheiße“, murmelte Nick und auch dem anderen fiel kein besseres Wort ein.
Die bisherigen Folgen sind hier nachzulesen: Fortsetzungsroman „Kleine Fische”



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

 
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