Solarworld-Chef Asbeck

Der Sonnenkönig will Opel beherrschen

Von Helmut Bünder

Frank Asbeck: Bislang hatte er stets überall einen guten Riecher

Frank Asbeck: Bislang hatte er stets überall einen guten Riecher

19. November 2008 Für die Fahrt ins Büro nimmt Frank Asbeck gern einen Maserati oder Aston Martin. Jetzt will der erfolgsverwöhnte Gründer und Vorstandschef der Bonner Solarworld AG anscheinend auf Opel umsteigen. Seine Übernahmepläne für die deutschen Opelfabriken und das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim stießen am Mittwoch auf ungläubiges Staunen. Opel und die Bundesregierung, die den Deal durch eine Bürgschaft abschirmen soll, zeigten sich ebenso überrascht wie der Rest der Welt.

Die Börse allerdings nimmt den Ausflug des „Sonnenkönigs“ in die Autoindustrie sehr ernst: Sie schickte die Aktien von Solarworld erst einmal auf steile Talfahrt. Asbeck selbst machte sich auf den Weg von Bonn nach Berlin, angeblich um mit Regierungsvertretern über sein Angebot zu sprechen. Eigentlich ist es kein Angebot; Asbeck möchte Opel geschenkt haben: Die von ihm geforderte Kompensationszahlung ist genauso hoch wie der angebotene Kaufpreis.

Geschäftliche Luftnummern hat er bisher nicht produziert

Einige Aktienhändler bewerteten den Vorstoß in ersten Reaktionen als „gute PR-Aktion“. Richtig ist, dass der gern als schillernde Persönlichkeit beschriebene Asbeck für flotte Sprüche immer zu haben ist. Aber geschäftliche Luftnummern hat er – wenigstens bisher – nicht produziert. Auf seinen guten Riecher für erfolgversprechende Ideen und den richtigen Zeitpunkt war in aller Regel Verlass. Auch die erste Großübernahme seiner Solarworld, den Kauf der Solaraktivitäten von Shell, hatte Asbeck mit Bravour gemeistert. Warum also soll er seinen Ruf nun für einen kurzlebigen Gag aufs Spiel setzen? Gleichwohl bleiben die Zweifel, was davon zu halten ist.

Der 1959 in Hagen geborene Asbeck hatte die Nase meistens sogar weit vorn. Als die rot-grüne Regierung Ende der neunziger Jahre die großzügigen Einspeisevergütungen für Solarstrom durchdrückte, kam seine große Stunde. Die von ihm gegründete Solarworld nahm ihren kometenhaften Aufstieg zum führenden deutschen Solartechnikunternehmen. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit 2250 Menschen und erwirtschaftet rund 700 Millionen Euro Umsatz, davon mehr als die Hälfte im Ausland.

Die Konzernzentrale wird schon jetzt zu eng

Asbeck und viele Solarworld-Aktionäre sind mit dem Erfolg reich geworden. Der gern in bayerische Trachtenjacke und Jeans gekleidete Unternehmenschef ist immer noch der größte Einzelaktionär mit einem Viertel der Anteile. Seiner barocken Figur sieht man an, dass Asbeck ein Faible für gute, vorzugsweise italienische Restaurants hat.

Bonn hat er schon als Student der Agrarwissenschaften kennen- und schätzen gelernt und ist ihm treu geblieben. Allerdings wird die Konzernzentrale, die er in einem Gründerzeithaus des früheren Regierungsviertels untergebracht hat, langsam zu eng. Die Verlagerung in den Bonner Süden ist schon beschlossene Sache. Umso heftiger diskutiert die Bonner Öffentlichkeit noch über Asbecks Pläne, in der Umgebung des neuen Unternehmenssitzes am Rheinauenpark einen öffentlich zugänglichen „Zoo“ einzurichten. Sogar Löwen sollen dort eines Tages zu bewundern sein.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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