19. November 2008 Der Chef der Eisenbahnergewerkschaft Transnet, Lothar Krauß, hat seinen Rückzug angekündigt. Als Nachfolger soll auf dem am Sonntag beginnenden Gewerkschaftstag Alexander Kirchner gewählt werden, wie Transnet am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte. Kirchner wurde vom Hauptvorstand der Gewerkschaft einstimmig nominiert.
Bislang galt es eigentlich als ausgemacht, dass er beim Gewerkschaftstag im Amt bestätigt werden würde. Doch Lothar Krauß hat offenbar nicht mehr das Vertrauen der Basis. Krauß war erst im Mai zum Transnet-Vorsitzenden ernannt worden, nachdem der damalige Gewerkschaftschef Norbert Hansen als Personalvorstand zur Deutschen Bahn gewechselt war.
Schon einen Monat später beging Krauß einen schweren Fehler, was ihm wahrscheinlich selbst erst Monate später bewusst wurde. In den Fußstapfen Hansens war er auch zum stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Bahn AG und Mitglied des sehr kleinen Personalausschusses des Aufsichtsrats geworden.
Dieser entschied im Juni, den Vorstandsmitgliedern der Bahn AG - also auch Norbert Hansen - sechsstellige Sondertantiemen für den Fall zu zahlen, dass die Bahn erfolgreich an die Börse gebracht würde. Krauß entschied mit.
Zweites Opfer des Bundeszahlungen
Im Juni gab es zwar eine Immobilienkrise in Amerika. Bis die Entscheidung des Aufsichtsrats aber bekannt wurde, war sie zu einer weltweiten Finanz- und Konjunkturkrise geworden, und Bonuszahlungen an Vorstände waren und sind seither des Teufels. Es entwickelte sich eine Skandalgeschichte. So distanzierte sich erst einmal Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee von der Aufsichtsratsentscheidung und feuerte Staatssekretär Matthias von Randow, weil der ihm nichts davon gesagt hatte - wie Krauß in der Annahme, es handele sich um eine alltägliche Entscheidung.
Den zweiten Fehler machte Krauß, als er im Oktober im Zuge der Affäre um Tiefensee und von Randow eine Presseerklärung herausgeben ließ, in der die Transnet Transparenz in solchen Angelegenheiten forderte. Spätestens ab hier folgte die Basis dem neuen Vorsitzenden, der vorher in aller Stille Stellvertreter gewesen war, nicht mehr. Es gab immer mehr Widerstand in den Vorbesprechungen der Delegierten, bis Anfang der Woche die Unterstützung für Krauß völlig kippte.
FAZ.NET mit AP
Bildmaterial: AP
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